Europa erlesen Böhmerwald
Herausgegeben von Norbert Schreiber
Inhalt Rainer Maria Rilke Gott war guter Laune Andreas Hartauer Tief
drin im Böhmerwald - Böhmerwaldlied August Sieghardt Lied vom
„Böhmerwald" Rudolf Kubitschek “Waitla“ und “Woid“ Bernhard
Grueber/ Adalbert Müller Der bayrische Wald August Strindberg Es
grüßt mich der Gekreuzigte Adalbert Stifter Im Kleinsten die Größe der
Allmacht Arnold Stadler Adalbert Stifter: Das Naturell Johann
Wolfgang von Goethe Von Karlsbad bis auf den Brenner Josef Wenzig -
Johann Krejč Natur und Mensch Adalbert Stifter Es war einmal ein
König Erich Kästner Die Bäume Alois Jirásek Von den Choden
Heinrich Heine Frühling Joseph von Eichendorff Was wisset Ihr dunkle
Wipfel Marita Haller Auf den Spuren der Kelten in Südböhmen Ludwig
Uhland Schildeis Fragment Ingeborg Bachmann Böhmen liegt am Meer
Hans Jörg Schmidt Was weiß der Durchschnittsdeutsche über die Tschechen?
Agáta Dinzl-Rybárová Literatur in Böhmen Tkadlecek Streit des
Liebhabers mit dem Unglück Hermann Claudius Der Ackermann und der Tod Jiří
Gruša Šumava Rauschwald Ivo Kareš Was ist Böhmerwaldliteratur?
Gerold Dvoŗak Karl Klostermann und Adalbert Stifter – Dichter der Wildnis
Karel Klostermann Die Brust der Mutter Gottes Peter Moraw Die
Hussitenbewegungen 1419-1437 Richard Friedenthal Der Tod des Ketzers Jan
Hus Eva Priester Die Hussiten und ihre Zeit Lörinc Kovai Der
Feuerkelch Nikolaus Lenau Ziska - Žižka Franz Joseph Bronner Über
die Bevölkerung des Waldes „Doss seyn mer Bühmische Dörffer“ Jan Vobr Zelníky
- Sauerkrautplätzchen Eduard Möricke Mozart auf der Reise nach Prag
Johann Kaspar Riesbeck Briefe eines reisenden Franzosen Sepp Paukner Der
Waldler Dialektformen Mundart im Böhmerwald Gerlinde Kroiss Schwammasuppn
mit Mehlnockerl Thomas Weber Salztransporte Martina Winter - Evi
Hasenkopf Ja s’Glos und s’Holz Max Freiherr von Schnurbein Theresienthal
Jitka Lněničková Böhmisches Glas im 20. Jahrhundert Brüder Grimm Der
Krämer und die Maus Volkssage „Durandl“ - der Glashüttengeist Fritz
Hudler Der Glasmacherort Eleonorenhain Martina Winter - Evi Hasenkopf
Mei Bayerwoid Hermann Hesse Bäume sind Heiligtümer Otto Sendtner Hochwald
Heinrich Heine Wandere! August Sieghardt Urwaldberg Falkenstein und
Höllbachgespreng Marita Haller Die alte Eibe Uschi Rheinheimer Glaslfleisch
vom Scheuereck Christian Fischer Die Fee vom Falkenstein Anton Pech Beim
Waldhirten Josef Wenzig - Johann Krejč Bär tot! Wolfgang Scherzinger
Von Wölfen und Luchsen J Johannes Urzidil Morgen fahr’ ich heim
Karel Klostermann Die Moldauquelle Bohumil Hrabal Böhmerwald-Musiker
Johann Ludwig) Wilhelm Müller Die Prager Musikantenbraut Marita Haller Schwarzenberger
Schwemmkanal Rosa Tahedl Zäune und Sperren Bertolt Brecht Was
sind das für Zeiten? Norbert Schreiber Ein Stück Stacheldraht
Mühlhiasl Der Seher vom Rabenstein - Prophezeiungen Sylvia Weber Bayerisch-Böhmischer
Sterz Heinrich Heine Herbst Eugen Roth Ein Brief aus dem
Bayerischen Wald Marianne Wintersteiner Die Leute von Buchenau
Marita Haller Wie man sich bettet… Karel Klostermann Weihnachten
unterm Schnee Anneliese Strassner „Buchty“ Hefeteigtaschen mit
Pflaumenmus aus dem Forsthausstüberl Heinrich Heine Winter Adalbert
Stifter Winterstürme Johann Wolfgang von Goethe Über allen Gipfeln
Totenbretterverse aus dem Zwieseler Winkel Georg Britting Der Böhmische Wald
Das Bayerwald-Lied Mir san vom Woid dahoam Volksweisheit aus Böhmen Allein
ist allein, am besten ist's daheim Nachwort Quellenverzeichnis
Das „Grüne Dach Europas“ wölbt sich schützend über der Dreiländer-Region
Bayerischer Wald, Böhmerwald und Mühlviertel und eint auf natürliche, wilde Art
und Weise ein Waldviertel zwischen Deutschland, Österreich und Tschechien, in
dem die Menschen Jahrhunderte lang gegen die Natur ankämpfen mussten, um zu
überleben. Sie suchten Schutz vor der Natur. Heute ist es umgekehrt, es schützt
der Mensch die letzten Wald- und Urwaldreservate und eine der schönsten
Naturlandschaften Europas: dichte Wälder, soweit das Auge reicht, massive
Granitberge, Gipfel in Schnee und Eis, gewitterwolkenumhangen oder
sonnenbestrahlt mit garantierter Fernsicht, tiefgrüne Seen und ewig grüne
Wiesentäler, reißende Flüsse, kalte Bergbäche, Forellenteiche, geheimnisvolle
Hochmoore. Natur pur, wild und ursprünglich, erholsam, und die Kraft des
Menschen zugleich fordernd.
Holz, Glas, natürliche Wälder und die Musik aus Böhmen sind die „Rohstoffe“
dieser von Adalbert Stifter geliebten und so malerisch beschriebenen
Landschaft.
Hier trennte einst der „Eiserne Vorhang“ willkürlich nach politischen Systemen,
was heute nach der Wende als Ökosystem und neue Nachbarschaft wieder
zusammenwächst.
Ob widerständige Kämpfer in den Glaubenskriegen oder machtbewusste Eroberer,
wandernde fromme Mönche oder Handel treibende Salzhändler, die künischen Bauern
oder die fleißigen Glasmacherfamilien, die reichen Holzhändler und armen
Reisemusikanten, sie alle schufen in der Geschichte dieser Region natürlich
gewachsene menschliche Verbindungen, an die trotz der schlechten Erfahrungen in
gemeinsamer Geschichte in den Kriegen und danach im Frieden jetzt wieder
angeknüpft werden kann.
Der Böhmerwald und der Bayerische Wald verschmelzen zu „grenzenloser“ Natur, in
der sich Tschechen und Deutsche unbefangener begegnen können als je zuvor in
den vergangenen Zeiten an den politischen Verhandlungstischen möglich war, als
Zaun und Stacheldraht, Wachtürme und Grenzkontrollen den politischen Blick
versperrten.
Der wieder angesiedelte Luchs
und die streunenden Wölfe, die schweren Unwetter und der böhmische Wind, Orkane
und Schneekatastrophen kennen keine Grenzen. Sie bahnen sich ihren Weg genauso
frei und unberechenbar wie das beständige monatelange Hoch mit weißblauem
Bayernhimmel oder der goldene Herbst, die hüpfenden Melodien der böhmischen
Musik, die mit den Menschen und ihren Instrumenten, ihren Stimmen und Reimen
sich frei und ungezwungen entfalten und immer einen Raum und Zuhörer finden -
und sei es in freier Natur.
Und auch in den Kochtöpfen, der Küchensprache und in Rezepten herrscht mehr
Gemeinsamkeit als Trennendes, auf die der Bayerwäldler mit dem Böhmerwäldler am
europäischen Stammtisch gemeinsam mit exzellentem Pils oder gut gebrautem
bayerischen Bier anstoßen kann.
Auch die Literatur, altbekannt oder neu entdeckt, knüpft ein einigendes Band
zwischen Böhmen und Bayern, zwischen Tschechen und Deutschen, wie dieser Band
von „Europa erlesen“ beweist, der auf den Höhen wie im Tal, auf dem Gipfel oder
am Flussufer unter einem Baum seine Vielfalt am besten „entblättert“
In der Stadtbücherei Zwiesel, die für dieses Buch durch ihr vielseitiges
Sortiment über 1.500 Jahre im Verhältnis Bayern-Böhmen manches Thema angeregt
hat, stehen deutsche und tschechische Bücher ohne Ressentiments nebeneinander.
Bücher sind meist die friedlichsten Werkzeuge der Menschen.
Norbert Schreiber (Hg.):
Böhmerwald - Ein Lesebändchen
248 S., geb., Prägedruck, A6, Wieser Verlag, Klagenfurt 2007, ISBN 13
978-3-85129-683-9, €12,95
Die Reihe „Europa erlesen" des Wieser-Verlages umfaßt mittlerweilen an die
100 Titel. Als jüngster Titel ist nun ein Bändchen über den Böhmerwald
erschienen. In ihm sind Texte von mehr als siebzig Autoren vereinigt -
keineswegs nur aus dem Böhmerwald stammende Autoren wie Adalbert Stifter,
Andreas Hartauer, Rudolf Kubitschek und Karl Klostermann, sondern auch Texte
z.B. von Johann Wolfgang von Goethe, Rainer Maria Rilke, Erich Kästner,
Heinrich Heine, Joseph von Eichendorff, Ingeborg Bachmann u.a., und von
tschechischen Autoren wie z.B. Bohumil Hrabal, Jifi Grusa oder Ivo Kares. Es
ist ein Vergnügen, in diesem Bändchen zu blättern und zu lesen, und diese
deutschböhmische Landschaft mit den Augen und Sinnen vieler ganz
unterschiedlicher Autoren kennenzulernen.
REZENSIONEN
SÜDDEUTSCHE
ZEITUNG
... Der von Norbert Schreiber
zusammengestellten Anthologie über den Böhmerwald ist also das Misstrauen
gegenüber derartigen schriftstellerischen Zeugnissen bereits eingepflanzt. Und
dennoch beharrt der Klagenfurter Verleger Lojze Wieser zurecht darauf, dass
man, wie er seine Buchreihe nennt, „Europa erlesen” könne, und dies der
schönste Weg sei, den Kontinent kennenzulernen.
Die drei „Europa-erlesen”-Bände, die der Wieser Verlag zuletzt herausgegeben
hat, haben jeder ein habsburgisches Grenzland zum Thema. Ihnen gelingt, in der
Summe einen Mehrwert zu schaffen, weil die drei Eckpunkte Böhmerwald,
Collio/Brda und Galizien ein Feld abstecken, in dem zwangsläufig auch die
Verhältnisse in den österreichischen und teils auch ungarischen Kernlanden des
Habsburgerreiches in den Blick geraten. Zugleich spielen Einflüsse anderer
Mächte in allen drei Regionen eine große Rolle. „Ist es unter diesen Umständen
verwunderlich, dass wir auf viele Wahrheiten pochen? Wir hatten auch viele zu
schwören”, äußert Jiri Grusa stellvertretend.
Aus dem kulturellen Gedächtnis der Böhmerwälder sind die Hussitenkriege nicht
wegzudenken. Galizien wiederum ist überhaupt erst nach der ersten polnischen
Teilung geschaffen worden, der Region fehlt jegliche einigende Erfahrung.
Nebeneinander her lebten Juden, Polen, Ukrainer und Deutsche, hinzu kamen
kleinere Gruppen: Armenier, Ungarn, Slowaken, Huzulen . . . Karl Markus Gauß
und Martin Pollack haben für ihren wiederaufgelegten Band „Das reiche Land der
armen Leute” längere Textpassagen ausgewählt, um ihren Lesern diese
Kulturlandschaft zu erschließen. Eine Kleinteiligkeit, wie sie sich in den
beiden anderen Bänden zu einem Mosaik fügt, findet hier mangels einer prägenden
Kultur keine Basis, auf der sich ein Bild zusammensetzen ließe. Gauß und
Pollack schaffen eine solche erst, mit Hilfe der Werke von Bruno Schulz oder
des wieder zu entdeckenden Wenzel Cäsar Messenhauser.
Das kleinste und von daher auch recht einheitliche Gebiet sind der Collio und
die Brda – aber auch das an einer Grenze gelegen, halb in Italien, halb in
Slowenien, mit Einflüssen der lateinischen, der slawischen und der deutschen
Sprache und Kultur. In seiner Literatur hat die Kulinarik und vor allem der
Wein einen festen Platz. STEFAN FISCHER
HANS KITZMÜLLER, LOJZE WIESER (Hrsg.): Europa erlesen – Collio/Brda. Wieser
Verlag, Klagenfurt 2007. 286 Seiten, 12,95 Euro.
KARL MARKUS GAUSS, MARTIN POLLACK (Hrsg.): Europa erlesen – Das reiche Land der
armen Leute. Wieser Verlag, Klagenfurt 2007. 302 Seiten, 12,95 Euro. Buchpräsentation in Buchenau
PASSAUER NEUE PRESSE
„Europa erlesen. Böhmerwald".
Bayerwaldbote Passauer Neue Presse Heimatbeilage
„Javor, Javor", rufen mir zwei junge Leute am 3.
Februar 1990 entgegen. Das neue gegründete Bürgerforum in Tschechien hat eine
Menschenkette organisiert: Uber drei Kilometer ist sie lang, und über 50 000
Menschen haben sich daran beteiligt: Erprobung der Grenzöffnung. Aus vermeintlichen
Feinden sollen jetzt auf Anhieb Freunde werden. Was heißt bloß „Javor"?
Mit Händen und Füßen machen die beiden Tschechen mir klar, sie wollen auf den
Arber, auf den Gipfel stürmen, den sie oft vom Osten aus nur mit den Augen aus
der Ferne bestaunen, ihn aber nie besteigen konnten ...
Norbert Schreiber, Jahrgang 1949, ist Hesse und wohnt im
Bayerischen Wald, laut Buchtext in Spiegelhütte. Ja, was heißt bloß Javor? Laut
Wörterbuch Ahorn. Doch was hat das mit dem Arber zu tun? Sollte es vielleicht
Bavor heißen? Möglich, denn das ist der Bayer.
Der Journalist Schreiber hat der Versuchung widerstanden,
ein politisches Buch zu schreiben und das ist gut so. Statt dessen hat er der
Reihe „Europa erlesen", die schon 100 Bände umfasst, das 250 Seiten starke
Taschenbuch hinzugefügt, in dem Autoren ihre Stimme erheben, die auf irgend
eine Weise mit dem Böhmerwald zu tun haben. Darunter auch viele Sudetendeutsche,
obwohl Schreiber das Wort vermeidet, auch echte Bayern, wie der Kollege Paul
Friedl, der „Baumsteftenlenz" aus Zwiesel. Und natürlich darf Karel
Klostermann nicht fehlen, ein echter „Böhme", dessen Elterngrab von den
tschechischen Besatzern geschändet wurde.
Neuer Absatz
Eduard Möricke (*1804 Ludwigsburg
†1875 Stuttgart)
Mozart auf
der Reise nach Prag
Im Herbst des Jahres 1787 unternahm Mozart in
Begleitung seiner Frau eine Reise nach Prag, um „Don Juan“ daselbst zur
Aufführung zu bringen.
Am dritten Reisetag, dem vierzehnten September, gegen
elf Uhr morgens, fuhr das wohlgelaunte Ehepaar, noch nicht viel über dreißig
Stunden Wegs von Wien entfernt, in nordwestlicher Richtung jenseits vom
Mannhardsberg und der deutschen Thaya bei Schrems, wo man das schöne Mährische
Gebirg bald vollends überstiegen hat…
Man war eine sanft ansteigende Höhe zwischen
fruchtbaren Feldern, welche hie und da die ausgedehnte Waldung unterbrachen,
gemachsam hinauf und jetzt am Waldsaum angekommen.
„Durch wieviel Wälder“, sagte Mozart, „sind wir
nicht heute, gestern und ehegestern schon passiert! - Ich dachte nichts dabei,
geschweige, dass mir eingefallen wäre, den Fuß hineinzusetzen. Wir steigen
einmal aus da, Herzenskind“... Sie stiegen Arm in Arm über den Graben an der
Straße und sofort tiefer in die Tannendunkelheit hinein, die, sehr bald bis zur
Finsternis verdichtet, nur hin und wieder von einem Streifen Sonne auf
sammetnem Moosboden grell durchbrochen ward… „Gott, welche Herrlichkeit!“, rief
er, an den hohen Stämmen hinaufblickend, aus: „Man ist als wie in einer Kirche!
Mir deucht, ich war niemals in einem Wald, und besinne mich jetzt erst, was es
doch heißt, ein ganzes Volk von Bäumen beieinander! Keine Menschenhand hat sie
gepflanzt, sind alle selbst gekommen und stehen so, nur eben, weil es lustig
ist, beisammen, wohnen und wirtschaften. Siehst du, mit jungen Jahren fuhr ich
doch in halb Europa hin und her, habe die Alpen gesehen und das Meer, das
Größeste und Schönste, was erschaffen ist: Jetzt steht von ungefähr der Gimpel
in einem ordinären Tannenwald an der böhmischen Grenze, verwundert und
verzückt, dass solches Wesen irgend existiert, nicht etwa nur so una finzione
de poeti ist, wie ihre Nymphen, Faune und dergleichen mehr, auch kein
Komödienwald, nein aus dem Erdboden herausgewachsen, von Feuchtigkeit und
Wärmelicht der Sonne groß gezogen! Hier ist zu Haus der Hirsch mit seinem
wundersamen zackigen Gestäude auf der Stirn, das possierliche Eichhorn, der
Auerhahn, der Häher.“
Ingeborg Bachmann
(*1926 Klagenfurt †1973 Rom)
Böhmen
liegt am Meer
Sind hierorts Häuser grün, tret ich noch in ein Haus.
Sind hier die Brücken heil, geh ich auf gutem Grund.
Ist Liebesmüh in alle Zeit verloren,
verlier ich sie hier gern.
Bin ich's nicht, ist es einer, der ist so gut wie ich.
Grenzt hier ein Wort an mich, so lass ich's grenzen.
Liegt Böhmen noch am Meer,
glaub ich den Meeren wieder.
Und glaub ich noch ans Meer, so hoffe ich auf Land.
Bin ich's, so ist's ein jeder, der ist soviel wie ich.
Ich will nichts mehr für mich. Ich will zugrunde gehn.
Zugrund das heißt zum Meer,
dort find ich Böhmen wieder.
Zugrund gerichtet, wach ich ruhig auf.
Von Grund auf weiß ich jetzt, und ich bin unverloren.
Kommt her, ihr Böhmen alle, Seefahrer, Hafenhuren und
Schiffe unverankert.
Wollt ihr nicht böhmisch sein, Illyrer, Veroneser,
und Venezianer alle. Spielt die Komödien, die lachen
machen
Und die zum Weinen sind. Und irrt euch hundertmal,
wie ich mich irrte und Proben nie bestand,
doch hab ich sie bestanden, ein um das andre Mal.
Wie Böhmen sie bestand und eines schönen Tags ans Meer
begnadigt wurde und jetzt am Wasser liegt.
Ich grenz noch an ein Wort und an ein andres Land,
ich grenz, wie wenig auch an alles inner mehr,
ein Böhme, ein Vagant, der nichts hat, den nichts
hält,
begabt nur noch, vom Meer, das strittig ist,
Land meiner Wahl zu sehen.
Karel Klostermann (*1848 Haag am Hausruck †1923 Štĕkeň)
Die Moldauquelle
Will man von Buchwald aus die Moldauquelle besuchen,
so führt der Weg über welliges, heute meist von jungem Anflug bedecktes
Terrain. Die Quelle selbst liegt in einer filzigen Niederung. Die kleine
Vertiefung, worin die Quelle entspringt, ist jetzt eingemauert; eine Zeit, als
hier der böhmische Forstverein seine Jahresversammlung abhielt.
Bis zum Jahre 1870 lag sie tief drinnen versteckt in
schier undurchdringlichem Urwald. Eine Riesenfichte stand unmittelbar am Rande
der Quelle, wohl zwanzig Klafter hoch, mit einem Stamm, der mindestens vier
Schuh im Durchmesser hatte. Sie stand da an der Wiege unseres typischen Stromes
wie ein Wächter aus uralten Zeiten, den Stürmen trotzend, den Blitz
herausfordernd. Um ihn herum standen sie dicht gedrängt, die hundertjährigen
Genossen, sie erlagen alle dem winzigen Insekt, das hier furchtbar gehaust,
gewaltige Riesen den nichtigsten Pygmäen. Ist das nicht ein Omen?
Vor vielen Jahren kam ich an dieser Stelle mit einem
alten Pfarrer aus einem entfernten Böhmerwalddorfe zusammen. Er war so lustig,
der alte, liebe Herr, und erzählte mir so schnurrige Geschichtchen aus seinem
Seelsorgerleben, und wieder so traurige, dass ich mich bald vor Lachen
schüttelte, bald zu Tränen gerührt war. Er war so ganz eins mit seinen
Pfarrkindern; es war rührend und erhebend, ihn zu hören. Mir wird immer so hart
ums Herz, wenn oft Leute, die das Leben bei uns so wenig kennen, so gedankenlos
losziehen auf unsere Geistlichen. Fürwahr, die leidige Politik treibt bisweilen
hässliche Blasen! Oder ist es etwa leicht, im Eis und Schnee des Winters, in
den Stürmen und Regenschauern des Frühjahrs, wo hundert Bäche den Weg kreuzen
und denselben in einen moorigen Tümpel verwandeln, stundenweit zu gehen, um einem
Sterbenden den letzten Trost zu bringen? Dabei jahraus, jahrein in den einsamen
Dörfern wohnen müssen, ohne den anregenden Umgang mit Gleichgebildeten? Kennt
ihr die Bedürfnisse des Volkes, ihr, die ihr so hart absprechet, kennt ihr sie
besser als diejenigen, die unter ihm wohnen, die alle seine Freuden und Leiden
teilen? Ist es etwa ein Verbrechen, wenn ein Diener der Religion dieselbe
Religion hochhält? Welchen Ersatz werden die bestgemeinten philosophischen und
politischen Theorien dem armen Volke geben für den Trost, den die Religion und
ihre Diener den Bedrängten spenden? Die Natur ist rau und kennt keine
Barmherzigkeit; der Mensch, der hier oben leben will, muss schwer ringen im
Kampfe ums Dasein, damit er bestehe...
Präsentation des BÖHMERWALD-Buches im Schloss Buchenau
Literaturprofessor Heiner Boehncke hielt die Laudatio.
Milena Vobrova erzählt von den tschechischen Nachbarn
Verleger Lojze Wieser servierte Kullinarisches
Der Festsaal des Schlosses war gut besucht
Gitarrenklänge aus dem Böhmerwald
Die Hirschengred-Musi spielte Böhmerwald-Weisen
Die "Foikastoaner Sängerinnen" boten Ariengesang aus dem Bayerischen Wald